Herausforderndes Verhalten - Tipps für Fachkräfte und Angehörige

31. August 2023

Spucken, schreien, schlagen: Manche Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen zeigen in gewissen Situationen herausforderndes Verhalten. Bei Angehörigen und auch bei Fachkräften kann das zu Stress und Unsicherheit führen. Dabei ist ein solches Verhalten oft eine bloße Reaktion auf innere oder äußere Faktoren und nicht unbedingt eine bewusste Entscheidung der betroffenen Person. Lassen Sie uns gemeinsam die Gründe für herausforderndes Verhalten erörtern und praktische Ratschläge definieren, wie man solche Reaktionen vermeiden oder zumindest damit umgehen kann.

Herausforderndes Verhalten verstehen: Die Gründe sind vielfältig

Herausforderndes Verhalten von Menschen mit Behinderung hat verschiedene Ursachen. Im Grunde laufen diese immer auf ein Gefühl der Ohnmacht hinaus, das Betroffene dazu veranlasst, Gewalt gegen sich oder ihre Umwelt zu zeigen. Das Spektrum reicht von verbaler Aggression über Sachbeschädigung bis hin zu Selbstverletzung. Die häufigsten Gründe für herausforderndes Verhalten sind im Detail:

 

  • Kommunikationsschwierigkeiten: Menschen mit Behinderung haben oft Probleme damit, ihre Bedürfnisse, Wünsche oder Schmerzen verbal auszudrücken. Herausforderndes Verhalten kann in diesem Fall ein Mittel sein, um auf ein unerfülltes Bedürfnis aufmerksam zu machen.
  • Umweltfaktoren: Lärm, grelles Licht oder Menschenmengen können zu einer Überstimulation führen, die Überforderung und Stress auslöst. Herausforderndes Verhalten dient dann vielen Betroffenen als Ausdrucksmittel für diese Empfindungen.
  • Physische Beschwerden: Auch das körperliche Befinden kann ein Auslöser sein. Beispielsweise können Schmerzen oder Medikamentennebenwirkungen zu Verhaltensänderungen führen.
  • Emotionale Faktoren: Gefühle können für jeden Menschen von Zeit zu Zeit überwältigend werden. Angst, Frustration oder Langeweile können daher ebenfalls zu herausforderndem Verhalten führen.

 

Was im konkreten Fall auch der Auslöser sein mag, so muss man sich immer auch eins vor Augen führen: Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen nehmen die Welt anders wahr und brauchen länger, um Reize zu verarbeiten. Das herausfordernde Verhalten ist das Ventil und daher nicht als Angriff gegen die eigene Person zu verstehen.

Tipps für den Umgang mit herausforderndem Verhalten

Allgemein gilt, dass klare Strukturen und eine bedürfnisgerechte Begleitung den Betroffenen Entlastung bieten. Je weniger Reize vorhanden sind, desto seltener sind Gefühle der Ohnmacht und Überforderung. Auf folgende Punkte sollten Sie achten, um herausforderndes Verhalten möglichst zu vermeiden oder auch zu entschärfen:


  • Beobachten und Zuhören: Versuchen Sie, die Bedürfnisse oder Sorgen der betroffenen Person zu verstehen. Hören Sie aktiv zu, zeigen Sie Empathie und achten Sie auf eine klare Kommunikation mit einfachen Anweisungen. Ggf. können Visualisierungshilfen oder Gebärdensprache ebenfalls nützlich sein.
  • Konsistente Routine: Viele Betroffene reagieren empfindlich auf unerwartete Veränderungen. Eine vorhersehbare Tagesstruktur kann Sicherheit bieten und herausforderndes Verhalten reduzieren. Informieren Sie über anstehende Aktivitäten und geben Sie der Person Zeit, sich in ihrem eigenen Tempo auf Neuerungen einzulassen.
  • Angepasste Umwelt: Wenn möglich, reduzieren Sie störende Faktoren wie laute Geräusche oder grelles Licht. Schaffen Sie eine ruhige und sichere Umgebung; das funktioniert natürlich besonders im eigenen Zuhause am besten. Meiden Sie in der Öffentlichkeit möglichst Plätze, die reizüberflutend wirken könnten.
  • Ablenkung: In manchen Fällen kann es hilfreich sein, die Aufmerksamkeit der betroffenen Person auf eine andere Aktivität oder ein anderes Thema zu lenken, sobald sich herausforderndes Verhalten anbahnt. Auch die Begleitung aus dem Raum ist eine oftmals sinnvolle Strategie, da ein Ortswechsel ebenfalls für Ablenkung sorgen kann.
  • Validation: Versuchen Sie, sich in die betroffene Person einzufühlen und herauszufinden, warum sie so reagiert. Signalisieren Sie auch, dass Sie diese Emotionen akzeptieren. Nutzen Sie dazu anerkennende Bemerkungen wie "Das regt dich auf" oder "Du machst dir Sorgen".

 

Trotz allem ist es nur menschlich, wenn Ihnen herausforderndes Verhalten nahegeht. Vermeiden Sie jedoch um jeden Preis Gegenangriffe, da diese die Situation oft nur verschlimmern. Wenn Sie selbst kurz davor sind, wütend zu werden, können Sie das Zimmer kurz verlassen und durchatmen. Wenn Sie sich durch das Verhalten bedroht fühlen, sollten Sie selbstverständlich auch auf Ihre eigene Sicherheit achten und sich für alle Fälle einen Fluchtweg suchen.

Fazit: Herausforderndes Verhalten braucht Verständnis

Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Behinderung ist für alle Beteiligten eine komplexe, risikobehaftete Situation. Aber mit Verständnis, Geduld und den richtigen Strategien kann es effektiv gehandhabt werden. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass dieses Verhalten oft ein bloßer Ausdruck von Unbehagen, Schmerz oder Frustration ist. Mit dieser Tatsache im Hinterkopf lässt sich nach Wegen suchen, um das Wohlbefinden der betroffenen Person zu fördern.

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