Gedächtnistraining - So bleiben die grauen Zellen fit

19. Juni 2022

„Wo sind denn nur die Schlüssel schon wieder?” Diese Frage kommt den meisten von uns sicherlich ziemlich bekannt vor. Auch jüngere Menschen kennen solche Situationen. Doch im Alter werden sie immer häufiger. Das ist auch ganz normal, denn im menschlichen Gehirn gehen im Laufe der Zeit immer mehr Synapsen verloren. Da diese Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen der Übertragung von Informationen dienen, lässt die Leistung unseres Gehirns im Alter nach. Aber die graue Materie lässt sich zum Glück trainieren und wird so robust gegen zunehmenden Abbau. Denn die Nervenzellen können sich neu verschalten und so eintreffende Informationen wieder besser verarbeiten. Das viel zitierte Zauberwort lautet Gedächtnistraining.

Was ist Gedächtnistraining für Senior*innen?

Gedächtnistraining sind Übungen und Maßnahmen, die die Leistungsfähigkeit des Gehirns erhalten oder ausbauen können. Grundsätzlich eignet sich ein solches Gehirnjogging für jedes Alter. Doch gerade Senior*innen kann es helfen, einem altersbedingten Leistungsabbau geistiger und kognitiver Fähigkeiten vorzubeugen. Auch für Menschen mit Demenz kann Gedächtnistraining sinnvoll sein. Dabei müssen allerdings unbedingt die veränderten Lernfähigkeiten berücksichtigt werden. Denn Gedächtnistraining soll in jedem Fall Spaß machen und spielerisch in den Alltag integriert werden. Besonders gewinnbringend ist es außerdem dann, wenn es abwechslungsreich ist und möglichst viele Sinne einbezieht. Wichtig ist zudem, unterschiedliche geistige Fähigkeiten zu trainieren. Laut Bundesverband Gedächtnistraining e.V. gibt es insgesamt 12 Trainingsziele:

 

  • Konzentrationsfähigkeit
  • Logisches Denken
  • Merkfähigkeit
  • Assoziatives Denken
  • Denkflexibilität
  • Fantasie und Kreativität
  • Fähigkeit zur sprachlichen Formulierung
  • Fähigkeit geistige Inhalte zu strukturieren
  • Urteilsfähigkeit
  • Wortfindung
  • Wahrnehmungsfähigkeit
  • Erkennen von Zusammenhängen

 

Für eine möglichst große Wirkung sind tägliche Gedächtnisübungen wichtig. Achten Sie dabei aber unbedingt darauf, nicht in eine Routine zu verfallen. Denn das Gehirn soll keine festen Denkstrukturen entwickeln, sondern immer neu gefordert und zu flexiblen Reaktionen angeregt werden.

Wie mache ich Gedächtnistraining?

Es gibt viele Arten, Gedächtnistraining durchzuführen: alleine, in der Gruppe, mit Büchern und Spielen, am Computer oder in gewöhnlichen Alltagssituationen. Viele Inspirationen finden Sie kostenlos im Internet, etwa beim Bundesverband Gedächtnistraining e.V. Folgende Übungen bringen zahlreichen Senior*innen Spaß und geben Ihnen einen beispielhaften Einblick, was alles im Rahmen des Gehirnjoggings denkbar ist:

 

Wortkette: Suchen Sie sich ein zusammengesetztes Wort und bilden Sie dann jeweils mit dem letzten Teil wieder ein neues Wort, z. B. Konzertkarte, Kartenspiel, Spielgeld.

 

Liederraten: Lassen Sie bekannte Lieder in zufälliger Reihenfolge abspielen und stoppen Sie nach jeweils zehn Sekunden. Erkennen Sie Titel und Interpret?

 

Supermarkt: Versuchen Sie doch mal, den Zettel in der Tasche zu lassen und Ihre Einkaufsliste im Kopf zu behalten. Als kleines Extra können Sie die Preise der Artikel im Kopf addieren.

 

Ihre grauen Zellen trainieren Sie am besten aber nicht nur durch solche Übungen, sondern fördern sie zusätzlich durch einen gesunden Lebensstil mit viel Bewegung, ausgewogener Ernährung und sozialen Kontakten. Denn ja, auch das wirkt einem vorzeitigen Abbau der Gehirnleistung im Alter entgegen. Vielleicht haben Sie ja auch ein Hobby, das Sie geistig fit hält. Musizieren beispielsweise fördert Ihre Konzentrationsfähigkeit und körperliche Koordination. Auch Tanzen stimuliert das Gehirn gleich auf mehrfache Weise und steigert kognitive Fähigkeiten. Probieren Sie auch gerne mal Neues aus. Unbekannte Informationen stimulieren den Präfrontalkortex, der besonders von altersbedingtem Leistungsabbau betroffen ist.

Fazit: Fit auf ganzer Linie dank Gedächtnistraining

Nur wer rastet, der rostet. Ganz nach diesem Motto lässt sich auch im Alter noch so einiges für das Gedächtnis tun. Sicherlich ist bei all den möglichen Übungen und Aktivitäten für jeden Geschmack etwas dabei. Ein weiteres großes Plus: Kognitives Training wirkt sich sogar positiv auf mögliche Demenzerkrankungen aus. Je besser das Gehirn verschaltet ist, desto länger dauert es, bis eine Demenzerkrankung Symptome im Gehirn verursacht. Gedächtnistraining hält die grauen Zellen also wirkungsvoll auf Trab und das auf eine spielerisch einfache Art und Weise.

Diesen Artikel teilen

Kind lernt laufen: erste barfüßige Schritte auf Parkett, gestützt von den Händen der Eltern
11. September 2026
Motorische Meilensteine im Überblick: Wann Kinder sitzen, krabbeln und laufen, wie groß die normale Spannbreite wirklich ist und wann Frühförderung hilft.
Lachende junge Frau im Rollstuhl in einem Park
4. September 2026
Was ist Behindertenhilfe? Welche Leistungen es nach SGB IX gibt, wer sie zahlt und wie der Antrag läuft – verständlich erklärt für Angehörige.
Erwachsene Hände führen die Hände eines Kindes beim Schneiden mit der Schere
28. August 2026
Was macht eine Schulbegleitung – und was nicht? Der Leitfaden für Eltern erklärt die Aufgaben, die Abgrenzung zur Lehrkraft, den Umfang und die Kostenträger.
Küste von Teneriffa mit Sandstrand, Meer und Bergen im Hintergrund
21. August 2026
Was zahlt die Pflegekasse zum betreuten Urlaub? Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, Entlastungsbetrag und Pflegegeld für die Betreuung – nicht für die Reise. Stand 2026.
Kleinkind mit Sonnenhut spielt draußen an einem Spielgerät
14. August 2026
Entwicklungsverzögerung beim Kind? Die häufigsten Fragen zur Frühförderung – für wen, ab welchem Alter, wie beantragen und was sie kostet – kompakt beantwortet.
Kleine Rhythmusinstrumente aus Holz wie Triangel, Klanghölzer und Schüttelei
7. August 2026
Wie Musik Ausdruck, Gefühl und Teilhabe eröffnet – bei Behinderung und im Alter. Über Musiktherapie, gemeinsames Musizieren und Musik als Ressource im Alltag.
Fragezeichen aus Tabletten – Sinnbild für die Frage, wer welche Pflegeaufgaben übernehmen darf.
24. Juli 2026
Pflegedienst, Betreuungsdienst, Alltagsbegleitung: Wer welche Aufgaben übernehmen darf, wo die gesetzlichen Grenzen liegen und wie abgerechnet wird.
Mehrere Blisterpackungen mit Tabletten und Kapseln in verschiedenen Farben auf hellem Untergrund
24. Juli 2026
Welche Arzneimittel und Dokumente in die Reiseapotheke bei Behinderung gehören – und wie Sie sich auf einen Notfall im Ausland vorbereiten.
Erschöpfte Frau am Tisch, Brille in der Hand, Augen geschlossen.
23. Juli 2026
Auch wenn die Pflege organisiert ist, kann die Kraft nachlassen. Anzeichen von Erschöpfung, Wege zur Entlastung und die passenden Anlaufstellen.
Person macht am Bett einer älteren Person Notizen auf einem Klemmbrett.
23. Juli 2026
Pflegegrad erhöhen: Wann sich eine Höherstufung lohnt, den Antrag stellen, was bei der Begutachtung zählt und welche Fristen gelten.
Weitere Beiträge