Arbeiten mit Behinderung - So geht Inklusion auf dem Arbeitsmarkt

19. November 2021

Das Recht auf Arbeit ist ein Menschenrecht und gilt daher uneingeschränkt. Das bedeutet, dass auch Menschen mit Behinderung die Möglichkeit gegeben sein muss, trotz ihres Handicaps am Arbeitsleben teilzunehmen. Das gilt grundsätzlich für alle Behinderungsgrade, also auch für Schwerbehinderte und Personen mit einer Mehrfachbehinderung. Gerade diese Menschen sind aufgrund ihrer komplexen Einschränkungen jedoch von Ausschluss an gesellschaftlicher Teilhabe bedroht. Das erkennt auch die Politik und verfolgt mit dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) das Ziel, dass Menschen mit Behinderung so leben können wie Menschen ohne Handicap.

 

Teilhabe bedeutet auch, arbeiten gehen zu können. Einer entlohnten Beschäftigung nachzugehen sichert nicht nur den Lebensunterhalt, sondern spendet auch ein Gefühl von Zugehörigkeit. Menschen ohne Arbeit beschleicht oftmals der Gedanke, nicht wirklich zur Gemeinschaft zu gehören oder gar nutzlos für die Gesellschaft zu sein. Diese Lage sollte keinesfalls Personen aufgrund einer geistigen oder körperlichen Behinderung treffen. Die Inklusion behinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt ist daher im Sinne der Gleichstellung aller Menschen ein wichtiger Schritt, der keinesfalls unter den Tisch gekehrt werden darf.

Warum ist Arbeit für Menschen mit Behinderung wichtig?

Grundsätzlich ist eine Beschäftigung für Menschen mit Behinderung aus denselben Gründen wichtig wie für Menschen ohne Handicap:

 

  • Arbeit spendet Orientierung und Halt: Eine regelmäßige Beschäftigung strukturiert das Leben, indem sie einen geregelten Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresablauf garantiert.
  • Arbeit fördert Selbstbewusstsein und Stolz: Am Ende der Arbeit steht immer ein Ergebnis. Menschen erleben ihre eigene Produktivität und ihre Fähigkeit, etwas zu bewirken.
  • Arbeit heißt Gemeinschaft: In aller Regel bedeutet Arbeit eine Einbettung in ein soziales Gefüge. So werden die Kommunikationsfähigkeit und wichtige Tugenden wie Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit gefördert.
  • Arbeit fördert Bildung und Weiterentwicklung: Wer arbeitet, lernt ständig dazu. Sowohl kognitive als auch handwerkliche und ästhetische Fähigkeiten können weiter ausgebildet werden.

 

Einer Arbeit nachzugehen bedeutet also mehr als die monatliche Gehaltsabrechnung. Auf vielfältige Weise bereichert sie das Leben und die Persönlichkeit. Auch Menschen mit Behinderung sollen von diesem breiten Bedeutungsspektrum profitieren dürfen.

Wo können behinderte Menschen arbeiten?

In welchen Betrieben und Bereichen behinderte Menschen arbeiten können, hängt zumeist vom Grad der Behinderung (GdB) ab, den das Versorgungsamt festlegt. Denn nicht alle Personen mit einer kognitiven, geistigen oder seelischen Beeinträchtigung sind in gleichem Maße fähig, eine Beschäftigung aufzunehmen. Grundsätzlich wird in diesem Zusammenhang zwischen dem ersten und dem zweiten Arbeitsmarkt unterschieden. Während der erste Arbeitsmarkt den allgemeine Arbeitsmarkt bezeichnet, versteht man unter dem zweiten Arbeitsmarkt alle Beschäftigungsverhältnisse, die nur mithilfe öffentlicher Fördermittel geschaffen und erhalten werden können.

 

Viele Menschen mit Handicap finden auf dem zweiten Arbeitsmarkt eine Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Aufgabe dieser Werkstätten ist es, Behinderten eine berufliche Bildung zu vermitteln. Dazu durchlaufen Interessenten zunächst ein Eingangsverfahren, an das sich ein meist zweijähriger Berufsbildungsbereich (BBB) anschließt, der auf eine Teilhabe am Arbeitsleben vorbereitet. Anschließend wird individuell entschieden, ob ein Übergang in den ersten Arbeitsmarkt möglich ist oder ein Verbleib im Arbeitsbereich der Werkstatt sinnvoller scheint. Im Rahmen sogenannter ausgelagerter Arbeitsplätze in Betrieben des ersten Arbeitsmarktes können behinderte Menschen außerdem jederzeit einen Einblick in den allgemeinen Arbeitsmarkt bekommen ohne ihren arbeitsrechtlichen Status als Mitarbeiter*in eines Werkstattbetriebes zu verlieren. Hier müssen sie jedoch nicht bleiben, sondern können auch wieder in die Werkstatt zurückkehren.

 

Eine weitere Möglichkeit, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sind Inklusionsbetriebe. Es handelt sich hierbei um selbstständige Unternehmen oder unternehmensinterne Abteilungen, die Schwerbehinderten im Rahmen eines regulären Arbeitsvertrages eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglicht. Auch hierauf bereiten Behindertenwerkstätten vor. Neben Inklusionsbetrieben finden sich Arbeitsplätze für Behinderte insbesondere auch bei Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitenden, da diese gesetzlich dazu verpflichtet sind, mindestens 5% ihrer Arbeitsplätze an behinderte Menschen zu vergeben.

Wie findet man einen Job mit Behinderung?

Gerade wenn Menschen mit Behinderung Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt suchen, ist dies mit der ein oder anderen Hürde verbunden. Hilfe, Beratung und Unterstützung findet man in einer solchen Situation bei der Agentur für Arbeit, dem Integrationsfachdienst und dem Integrations- bzw. Inklusionsamt. Einige Betriebe haben auch eine Schwerbehinderten-Vertretung, die sich speziell um die Belange schwerbehinderter Jobsuchender und Mitarbeitender kümmert.

 

Selbstverständlich schreiben auch wir bei der Sozialagentur Konkret Teilhabe und Gleichstellung groß! So bieten wir beispielsweise kaufmännische Arbeits- und Ausbildungsplätze für schwerbehinderte Mitmenschen an und freuen uns, so die Diversität unseres Unternehmens bereichern zu können. Melden Sie sich gerne!

Unsere Leistungen für Menschen mit Behinderung

Diesen Artikel teilen

Fragezeichen aus Tabletten – Sinnbild für die Frage, wer welche Pflegeaufgaben übernehmen darf.
24. Juli 2026
Pflegedienst, Betreuungsdienst, Alltagsbegleitung: Wer welche Aufgaben übernehmen darf, wo die gesetzlichen Grenzen liegen und wie abgerechnet wird.
Mehrere Blisterpackungen mit Tabletten und Kapseln in verschiedenen Farben auf hellem Untergrund
24. Juli 2026
Welche Arzneimittel und Dokumente in die Reiseapotheke bei Behinderung gehören – und wie Sie sich auf einen Notfall im Ausland vorbereiten.
Erschöpfte Frau am Tisch, Brille in der Hand, Augen geschlossen.
23. Juli 2026
Auch wenn die Pflege organisiert ist, kann die Kraft nachlassen. Anzeichen von Erschöpfung, Wege zur Entlastung und die passenden Anlaufstellen.
Person macht am Bett einer älteren Person Notizen auf einem Klemmbrett.
23. Juli 2026
Pflegegrad erhöhen: Wann sich eine Höherstufung lohnt, den Antrag stellen, was bei der Begutachtung zählt und welche Fristen gelten.
Ältere Frau hilft einem älteren Mann auf dem Sofa mit dem Schal, beide lächeln sich an.
22. Juli 2026
Beratungsbesuch, Pflegeberatung, Begutachtung: drei Begriffe, die oft verwechselt werden. Was sie unterscheidet – kurz und klar erklärt.
Älterer Mann sitzt am Tisch mit Smartphone in der Hand und blickt auf einen aufgeklappten Laptop.
22. Juli 2026
Beratungsbesuch nach § 37.3 per Video: Wann die digitale Beratung möglich ist, wie sie abläuft, was Sie technisch brauchen und wo ihre Grenzen liegen.
Papier-Sprechblasen mit Fragezeichen und eine schreibende Hand mit Notizbuch.
22. Juli 2026
Beratungsbesuch vorbereiten: Welche Unterlagen Sie bereitlegen und welche Fragen zu Hilfsmitteln, Entlastung und Zuschüssen sich beim Termin wirklich lohnen.
Mehrere ineinandergesteckte Euro-Geldscheine, darunter ein 20- und ein 5-Euro-Schein, auf einer hell
22. Juli 2026
Beratungsbesuch versäumt? So kürzt die Pflegekasse das Pflegegeld – mit Fristen, Nachholung und wie Sie die Kürzung rückgängig machen.
Lächelnde Frau mit lockigem dunklem Haar, die seitlich nach oben blickt
17. Juli 2026
Wie bleiben Sie in der Wechselschicht gesund? Was bei Schlaf, Ernährung, sozialem Leben und Schichtplanung in Pflege und Behindertenhilfe hilft – im Überblick.
Ältere Frau sitzt lächelnd in einem Sessel und spricht mit einer vor ihr stehenden Person in einem w
16. Juli 2026
Beratungsbesuch nach § 37.3 SGB XI: Wer ihn braucht, wie oft er Pflicht ist, wie er abläuft und was bei Versäumnis droht – verständlich für Angehörige.
Weitere Beiträge