Das Bobath-Konzept - Bewegung wieder lernen

19. Juli 2022

Pflege ist immer ein individueller Prozess. Schließlich bringt jeder pflegebedürftige Mensch seine eigene Geschichte und ganz persönliche Bedürfnisse mit sich. Je nach Krankheitsbild stehen verschiedene Pflege- und Therapiekonzepte zur Verfügung, um eine Besserung der jeweiligen Situation herbeizuführen. Im Falle neurologischer Defizite findet vor allem das Bobath-Konzept bzw. Neurodevelopmental Treatment (NDT) Anwendung. Es animiert Menschen mit Störungen des Zentralnervensystems aktiv zur Bewegung und kann somit neurologische Folgeschäden erfolgreich behandeln. 

Wann wird das Bobath-Konzept angewendet?

Das Bobath-Konzept eignet sich für die Rehabilitation von Personen, bei denen eine Schädigung des Nervensystems vorliegt. Das ist bei neurologischen und neuromuskulären Erkrankungen wie den folgenden der Fall:

 

  • Schlaganfall
  • Schädelhirntrauma
  • Hirnblutung
  • Gehirntumore
  • Multiple Sklerose
  • Morbus Parkinson

 

Denn ist das zentrale Nervensystem geschädigt, gehen wichtige Funktionen im Gehirn verloren und Betroffene leiden an erheblichen Beeinträchtigungen. Sie erleben oftmals ein verändertes Körperempfinden, haben Störungen bei der Kraftentwicklung der Muskulatur sowie der Verarbeitung von Sinneseindrücken. Entsprechend entstehen Defizite hinsichtlich Gleichgewicht, Haltung und Bewegung. Ebenso sind Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen sowie Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsdefizite oder auch Persönlichkeitsveränderungen möglich. All das erschwert selbstverständlich die Teilhabe am Leben und die Eigenständigkeit enorm.

Welche Ziele hat das Bobath-Konzept?

Das erklärte Ziel des Bobath-Konzeptes ist es, dass die oder der Betroffene lernt, wieder selbstständig Muskelspannung und Bewegungsabläufe zu steuern. Auch sollen Folgeschäden wie Gelenkeinschränkungen, Spastizität und Schmerzen reduziert oder bestenfalls gar vermieden werden. Eine so weit als möglich zurückgewonnene eigenständige Haltungs- und Bewegungskontrolle schenkt darüber hinaus natürlich auch mehr Sicherheit und Selbstvertrauen in alltäglichen Situationen, was wiederum mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander bedeutet. Somit steigert das Bobath-Konzept in Folge auch die Lebensqualität und Lebensfreude therapierter Personen.

Wie funktioniert das Bobath-Konzept?

Das menschliche Nervensystem besitzt die Fähigkeit des lebenslangen Lernens, man spricht hierbei auch von neuronaler Plastizität. Das bedeutet, dass sich durch gezieltes Training die Verbindungen zwischen den Nervenzellen des Gehirns verändern können, indem sie stärker oder schwächer werden. Diese Formbarkeit des Gehirns ist die Grundlage des Bobath-Konzepts. Durch wiederkehrende Bewegungsmuster soll die Bildung neuer Nervenzellen und damit die Entstehung neuer neuronaler Verknüpfungen angeregt werden. Gesunde Hirnregionen können so die Aufgaben geschädigter Hirnregionen erlernen und übernehmen.

Welche Übungen gibt es beim Bobath-Konzept?

Im Gegensatz zu anderen Therapiekonzepten kommt das Bobath-Konzept ohne schematische Vorgaben und Übungen aus. Es ist vielmehr ein 24-Stunden-Konzept, das von allen an der Fürsorge beteiligten Personen angewandt werden sollte. Wichtig ist es, den jeweiligen zu therapierenden Menschen immer ganzheitlich zu betrachten. Es geht um seine Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnisse. Im Zentrum stehen deshalb individuelle und alltagsbezogene Aktivitäten, die den persönlichen Tagesablauf begleiten. Dabei soll stets die Eigenaktivität der oder des Erkrankten ermöglicht und gefördert werden. Die Inhalte des Bobath-Konzepts stützen sich insbesondere auf drei Säulen: Lagerung, Mobilisation und Selbsthilfetraining. In allen drei Bereichen werden Betroffene an alltägliche Handlungen herangeführt, um sie langfristig wieder selbst ausführen zu können.

 

Die Rehabilitationsdauer nach dem Bobath-Konzept ist stark abhängig von der Schwere der Erkrankung. Eine Begleitung nach dem Bobath-Konzept erfolgt in vielen Fällen über ein bis zwei Jahre hinweg. In einer ersten Phase werden die motorischen Fähigkeiten wiederhergestellt, was einige Wochen bis mehrere Monate dauern kann. In einer zweiten Phase sollen die wieder erlernten Fähigkeiten gefestigt werden, was nochmals einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Fazit: Dank Bobath-Konzept zurück zu alter Stärke

Das Bobath-Konzept als problemlösender Ansatz kann Menschen mit neurologisch bedingten Störungen den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben ebnen. Dafür ist es jedoch wichtig, dass alle an der Pflege beteiligten Personen mit vereinten Kräften arbeiten. Denn nur durch ständige Wiederholung kann das Gehirn der oder des Betroffenen sich umorganisieren. Eine dauerhaft Pflegebedürftigkeit kann so vermieden bzw. die Pflegebedürftigkeit zumindest verringert werden. Besonders schön: Auch Angehörige können und sollen aktiv etwas zur Heilung der oder des Betroffenen beitragen. Unsere kompetenten Pflegekräfte zeigen Ihnen gerne, wie Sie das Bobath-Konzept zuhause anwenden können. 

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