Pflegegrad erhöhen: Wann sich eine Höherstufung lohnt und wie sie funktioniert
Der Pflegegrad wurde vor zwei Jahren festgestellt – seitdem hat sich viel verändert. Das Aufstehen fällt schwerer, die Vergesslichkeit nimmt zu, der Aufwand ist ein anderer geworden. Der Pflegegrad aber ist derselbe geblieben. In solchen Fällen kann eine Höherstufung sinnvoll sein: Sie passt die Leistungen an den tatsächlichen Bedarf an.
Stand: Juli 2026
Wann eine Höherstufung sinnvoll ist
Eine Höherstufung kommt infrage, wenn sich der Pflegebedarf dauerhaft erhöht hat – nicht bei vorübergehenden Schwankungen. Das kann viele Gründe haben: eine fortschreitende Erkrankung, das Nachlassen der Kräfte im Alter oder ein Ereignis wie ein Sturz, nach dem die frühere Selbstständigkeit nicht zurückkehrt.
Ein Beratungsbesuch nach § 37.3 kann der Anstoß dazu sein: Bemerkt die Pflegefachkraft, dass sich die Situation verschärft hat, kann sie zu einem Antrag raten. Wie der Beratungsbesuch abläuft, lesen Sie hier im Detail.
So stellen Sie den Antrag
Der Antrag ist
unkompliziert und an
keine Frist gebunden – Sie können ihn jederzeit stellen, sobald sich der Bedarf erhöht hat. Ein formloser Hinweis an die Pflegekasse genügt: Teilen Sie mit, dass Sie eine Höherstufung beantragen möchten. Alles Weitere, etwa die Formulare, kommt dann von der Pflegekasse.
Ein Detail lohnt besondere Aufmerksamkeit: Notieren Sie sich das Datum Ihres Antrags. Denn die höheren Leistungen gelten rückwirkend ab dem Monat, in dem Sie den Antrag gestellt haben – nicht erst ab der Begutachtung oder dem Bescheid. Wer früh beantragt, verliert also keine Zeit.
Gut vorbereitet in die Begutachtung
Nach dem Antrag beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst (bei privat Versicherten Medicproof) mit einer erneuten Begutachtung. Ein Gutachter oder eine Gutachterin kommt nach Hause und schätzt die Selbstständigkeit anhand derselben Kriterien ein wie beim ersten Mal. Wie die Begutachtung im Einzelnen abläuft, steht im Beitrag zum
Pflegegrad-Antrag.
Für dieses Gespräch lohnt sich Vorbereitung. Am hilfreichsten ist ein Pflegetagebuch: Wer über zwei Wochen notiert, bei welchen Handgriffen wie viel Hilfe nötig ist, kann den Aufwand konkret belegen. Nützlich sind außerdem:
- Aktuelle Arzt- und Therapieberichte, die die Veränderung dokumentieren
- Eine Liste der Medikamente und Hilfsmittel
- Eine vertraute Person, die beim Termin dabei ist und mit einordnet
Wichtig ist, den Alltag realistisch zu schildern – nicht beschönigend. Was an guten Tagen gelingt, verzerrt sonst das Bild.
Fristen und Nachzahlung
Die Pflegekasse muss innerhalb von 25 Arbeitstagen nach dem Antrag entscheiden. Hält sie diese Frist ohne triftigen Grund nicht ein, steht Ihnen eine Entschädigung von 70 Euro je angefangene Woche zu. Wird die Höherstufung bewilligt, zahlt die Kasse die Differenz zum bisherigen Pflegegeld rückwirkend ab dem Antragsmonat nach.
Wenn der Antrag abgelehnt wird
Nicht jeder Antrag hat Erfolg. Kommt die Begutachtung zu dem Schluss, dass sich die Selbstständigkeit nicht ausreichend verändert hat, bleibt es beim bisherigen Pflegegrad. Der bisherige geht dabei nicht verloren – abgelehnt wird nur die Erhöhung.
Gegen den Bescheid können Sie innerhalb eines Monats
Widerspruch einlegen. Fordern Sie dafür das vollständige Gutachten an, um nachzuvollziehen, wie die Einschätzung zustande kam, und begründen Sie konkret, wo Sie ihr widersprechen. Ein beachtlicher Teil der Widersprüche hat Erfolg. Kostenlose Unterstützung dabei bieten Sozialverbände wie der VdK oder der SoVD sowie die Pflegestützpunkte.
Am Ende geht es darum, dass die Leistungen zum tatsächlichen Bedarf passen. Wenn die Pflege spürbar mehr geworden ist, ist der Antrag auf Höherstufung der richtige Weg – und kein Termin, auf den man warten muss, sondern einer, den Sie selbst anstoßen können.













